13. April – 11. Juni 2011

Sybille Pattscheck

Strange Light


Zur Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, dem 13. April 2011, von 19 bis 22 Uhr,

laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein. Die Künstlerin wird anwesend sein.



Licht, Raum und Farbe sind die Protagonisten im Werk von Sybille Pattscheck. Bei den Arbeiten der Kölner Künstlerin für die Corona-Chrome-Serie manifestieren sich die auf Plexiglas aufgetragenen, in Wachs gebundenen Farbfelder als lichterfüllte Raumbilder und treten dem Betrachter in ihrer Farbwirkung wie wundersame Lichträume entgegen. Wie kommt es zu dieser Farbe-als-Licht-Wahrnehmung, warum ist sie derart direkt und ohne Umwege erfahrbar in Pattschecks Kunst, und um welchen Preis ist die Reinheit der Wirkung erkauft?

Wir sprechen hier nicht von farbigem Licht, jedoch von lichter Farbe, dieses Licht ist nicht als ein von der natürlichen Außenwelt hereinkommendes aufzufassen und zudem nicht gleichzusetzen mit Beleuchtungsanordnungen, wie sie außerhalb der Kunst vorkommen, sondern es ist als integriertes, selbstreferentielles und kunstimmanentes Phänomen dieser raumhaltigen Bilder zu verstehen. Das künstlerische Prinzip der Imitatio ganz wörtlich auffassend bedient sich die Künstlerin eines Kunstgriffs, indem sie die elementare Kluft zwischen Sein und visueller Erscheinung in eins fallen lässt: Ein wesentlicher Schlüssel dazu bilden allein die Schlichtheit des meist dem Regelmaß der quadratischen Komposition verpflichteten Aufbaus und die Verwendung eines 6 cm dicken Glaskörpers, der insofern erst die Voraussetzung für eine Verselbständigung von Licht schafft, als dass die aufgetragene Farbe von den Glasrändern her ausstrahlt und in den Bildraum hineinwirkt. Die Strahlkraft der Farbe erscheint wie in sich selbst lebendig und entfaltet und begrenzt sich derart innerhalb der Komposition zu gleichen Teilen.

Im Sinne paradoxer Einheit des Antagonistischen arbeitet ebenso das Material selbst, welches die Künstlerin verwendet: Das Durchscheinende des Wachses und dessen Plastizität lässt eine Wirkung von Licht wie im atmosphärischen Raum aufkommen. Es entsteht gleichsam eine Art physikalischer Bewegungsenergie, die als ein Entgrenzenwollendes über sich selbst hinausreichen möchte und sich quasi Raum verschafft, indem es sich Luft macht. Dass die Künstlerin diesen Schwebezustand von Licht, Farbe und Materie nicht einfach anhalten kann, beweist sich allein schon deshalb, wenn der Betrachter sich vom Bildraum selbst abwendet und den umliegenden Raum als Hinterlegung in den künstlerischen Prozess mit einbezieht: Der scharf begrenzte Bildraum wirkt plötzlich wie eine Verdichtungsfläche und stellt eine Verbindung mit dem außerhalb von ihm sich befindlichen „Weltraum“ her, indem das Licht die Farbe in den angrenzenden Raum überführt: Es ist der Moment, wo das Bild, das einem vor Augen steht, sich plötzlich mit jenem des Werktitels, der Corona Chromes, vereinigt als Ikone des Lichts schlechthin: die Atmosphäre der Sonne, deren zarter Strahlenkranz nach außen in den interplanetaren Raum hineinreicht. Es ist am Ende auch der Moment, gleichsam als Überschreitung, an dem wir als Betrachter, diese kosmologischen Gesetze per Analogie soeben in uns nachzeichnend, aus uns selbst heraustreten.

STEPHAN CLASSEN

 

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